Als Teil einer begehbaren Theaterinstallation zum Thema „Todsünden“ inszenieren wir für das Stadt:Kollektiv des Düsseldorfer Schauspielhauses Hochmut als Publikumsritual.

Hochmut gilt als die schwerste der sieben Todsünden: der Moment, in dem der Mensch sich über andere, über die Natur oder über seinen Schöpfer erhebt. Doch was bedeutet Hochmut heute? Liegt er im Wunsch, Krankheit, Leid und Vergänglichkeit zu überwinden? In der Idee, menschliches Bewusstsein technisch nachzubilden? Oder beginnt er dort, wo wir überzeugt sind, besser zu wissen, was für andere richtig ist?

In Hochmut wird das Publikum selbst zum Sprechchor. Bis zu 25 Menschen sitzen sich mit drahtlosen Kopfhörern auf gegenüberliegenden Bänken gegenüber. Sie hören Texte, Klangflächen und Einsätze – und sind eingeladen, Satz für Satz mitzusprechen. Aus einzelnen Stimmen entstehen ein gemeinsamer Chor und Teilchöre, die einander antworten, sich bestätigen, widersprechen und überlagern.

Die Performance folgt einem akustischen Protokoll aus Stimme, Wiederholung, Pause und Klang. Gemeinsam spricht das Publikum über Fehler, Schuld, Fortschritt, künstliche Intelligenz, Krankheit, Hilfe und Verantwortung. Aus dem anfänglichen Satz „Wir sind gut“ entwickelt sich zunehmend die Frage: Wer ist eigentlich dieses „Wir“? Wer spricht, wenn wir sprechen? Und was geschieht, wenn ein Kollektiv behauptet: „Wir wissen es besser“?

Eine reaktive Videoarbeit begleitet die Aufführung: In einem fließenden, blauen Wasserbild erscheint im Verlauf der Performance das Spiegelbild des Publikums. Der Chor wird so nicht nur hörbar, sondern auch mit sich selbst konfrontiert.

Hochmut verbindet Elemente des antiken Chors mit mehrkanaliger Audiotechnik und einer partizipativen Aufführungssituation. Gemeinschaft erscheint hier nicht als harmonische Einheit, sondern als etwas Fragiles: als gemeinsames Sprechen, Zuhören, Zweifeln und Verantworten.

Premiere am 25. September 2026 im Central, Düsseldorf.

Von und mit:
Anna Breitling, Yermolai Bilyi, Rainer Gaertig, Silvia Göhring-Fleischauer, Dagmar Hornik, Eleni Mitropulou, Nicole Radtke

https://www.dhaus.de/programm/a-z/7-todsuenden7-kuenstlerinnen7-orte